Grammer: Vergrault Prevent die Kundschaft?

Wenn Hastor kommt, gehen die Kunden – diese Sorge treibt zurzeit Mitarbeiter und Aktionäre des niederbayerischen Autozulieferers Grammer um. Analyst Christian Ludwig vom Bankhaus Lampe sieht schwarz für den Fall, dass die bosnische Unternehmerfamilie Hastor über ihre Zulieferfirma Prevent und die Investmentgesellschaft Cascade International bei dem Sitzehersteller ihren Einfluss erhöht.

Die Hastor-Gruppe kontrolliert indirekt  über 20 Prozent der Anteile von Grammer. “Es besteht das Risiko, dass Prevent Grammer benutzt, um Autohersteller unter Druck zu setzen”, sagt Christian Ludwig. “Damit läuft Grammer, sollte die Hastor-Gruppe einen größeren Einfluss im Unternehmen gewinnen, Gefahr, dass die Kunden sich nach einem anderen Lieferanten umsehen. So etwas passiert sicher nicht über Nacht, aber ersetzbar ist Grammer definitiv.”

Nur mit Mühe erholte sich Volkswagen im vergangenen Jahr von dem Prevent-Schock. Damals legte  der kleine Zulieferer mit einem Lieferstopp die VW-Produktion lahm, um seine Ansprüche gegenüber dem Konzern durchzusetzen.

Die Schwesterfirma von Prevent, Cascade International,  macht jetzt bei Grammer geltend, der Zulieferer leide seit Jahren an einer Erosion der Gewinnmarge, ohne dass sich das Management dagegen stemme. Deswegen will Cascade auf einer außerordentlichen Hauptversammlung den größten Teil des Grammer-Aufsichtsrates mit eigenen Leuten besetzen. Der nächste logische Schritt wäre der Austausch des Managements. Und dann?

Analyst Ludwig kann die Kritik an der Ertragskraft “nicht nachvollziehen”. Das Unternehmen habe in der Vergangenheit Probleme gehabt, räumt er ein, “aber sie sind mittlerweile auf einem guten Weg. Deswegen halten wir Grammer für fair bewertet. Das Geschäftsfeld von Grammer ist von vergleichsweise niedrigen Margen geprägt, Gewinne wie bei Continental darf man sich da nicht erträumen.”